Mein Leben als Mama – und wie ich es schaffe Ich zu bleiben

Lilly and Mio

Zugegeben: Manchmal ist mir alles zu viel. In diesen Momenten habe ich dann das Gefühl, dass der Alltag nur so an mir vorbeirauscht und ich wie in einem Hamsterrad laufen. Checklisten abarbeiten ohne Momente bewusst wahrzunehmen und zu genießen. Vormittags in der Schule, nachmittags zu Hause. Nicht selten erwische ich mich dabei wie ich erstmal zehn andere Dinge erledige bevor ich dazu komme, auf Toilette zu gehen. Dabei kann mich eigentlich auf nichts anderes mehr konzentrieren.

Gleichzeitig sind meine Ansprüche an mich hoch: Alles schaffen, keine Abstriche machen, immer in meiner vollen Kraft sein und keine Schwäche zeigen. Keine Rolle mit weniger als 100 % erfüllen, jeden zufrieden stellen und möglichst nicht anecken. Abends kann ich dann manchmal gar nicht abschalten und mein Kopf brummt. Ich fühle mich aufgekratzt und wie unter Strom und während ich im Bett liege und einzuschlafen versuche, habe ich das Gefühl, so gut wie gar nicht meine innere Stimme gehört zu haben.

Mama zu sein ist für mich die schönste und aufregendste Aufgabe der Welt. Seit mein Sohn geboren ist, sind so viel Liebe und Freude über die kleinen Dinge des Lebens in meinen Alltag gezogen. Wenn ich abends in sein schlafendes Gesichtchen schaue, durchströmt mich das Gefühl von bedingungsloser Liebe. Wenn er morgens auf meinem Schoß kuschelt und wir uns mein Frühstück teilen, ich von oben auf seinen kleinen süßen Mund und sein Stupsnäschen schaue, bin ich die glücklichste Mutter der Welt. Wenn er etwas Neues lernt und es mir unbedingt zeigen möchte, platze ich vor Stolz.

Manchmal fühle ich mich aber auch begrenzt. Dann habe ich das Gefühl, meine Wünsche und Sehnsüchte nicht mehr ausleben zu können, mich hauptsächlich um die Bedürfnisse des kleinen neuen Menschen in meinem Leben zu drehen und mich selbst dabei aus den Augen zu verlieren.

Wenn kleine Momente riesengroß sind.

Selbstfürsorge ist hier das Stichwort. Wie ich auf mich achte und wie ich es schaffe als Mama immer noch Ich zu bleiben, möchte ich dir nun anhand der folgenden sechs Schritten erzählen:

1.Me- Time – Zeit mit mir verbringen

Regelmäßige Zeit für mich, sogenannte „Me- time“ ist das A und O einer guten Selbstfürsorge. Darunter verstehe ich dann sowohl, nach der Arbeit in der Schule eine ungestörte Mittagspause zu haben, in der ich etwas essen und kurz durchatme bevor mich der kleine Racker auf Trab hält als auch ein oder zweimal im Jahr ein paar Tage wegzufahren, durch- und auszuschlafen und mal so richtig von Kind und Haushalt abzuschalten.

Ideal ist eine fest in den Alltag eingebaute Me- time, auf die du dich die ganze Woche freuen darfst. Wie du diese Zeit gestaltest, ob du Sport treibst (Sport ist übrigens die perfekteste Form der Stressprävention und Entspannung), in die Sauna gehst oder dich mit einer Freundin auf Kaffee und Kuchen triffst, ist ganz dir überlassen. An dieser Stelle ist alles richtig, was dir guttut. Me- time soll dabei aber auch wirklich Me– time bedeuten. Komm also nicht auf die Idee, in dieser Zeit das Bad zu putzen oder deine Bügelwäsche abzuarbeiten.

Ich hatte ein paar Wochen lang den Luxus, dass der Papa einen Wochentag schon nach dem Mittagessen von der Arbeit nach Hause kommen konnte und ich so den Nachmittag zur freien Gestaltung hatte. Da es gerade nicht möglich ist, musste ich mich etwas umstellen und einen neuen Weg finden. Zurzeit stehe ich daher morgens gerne in aller Frühe auf, während die Jungs noch schlafen und treibe eine Stunde lang Sport. Wenn der kleine Mann aufwacht, macht der Papa ihn für den Tag fertig. Das ist dann meine Stunde am Tag, die ich ganz in Ruhe für mich nutze und die mir keiner mehr nehmen kann. So starte ich kraftvoll und entspannt in den Tag.

Verwöhne dich mit Kaffee, Kuchen und einer guten Freundin.

Falls eine gemeinsame Betreuung durch dich und den Papa nicht organisierbar ist, so schau doch mal nach einem Babysitter in der Familie oder im Freundeskreis, die dir ein bisschen Freizeit schenken und dein Kind spazieren fahren oder mit ihm den Spielplatz besuchen, damit du etwas Zeit für dich haben kannst. Auch ein bezahlter Babysitter, dem du vertraust, wäre eine Option. Bedenke: Glückliche Mama, glückliches Kind.

2. Finde die für dich ideale Form der Entspannung.

Hast du schon mal vom Parkinsonschen Gesetz gehört? Es besagt, dass sich Arbeit genau in dem Maß ausdehnt wie Zeit und ihre Erledigung zur Verfügung steht. Je mehr Zeit wir also für eine Aufgabe zur Verfügung haben, desto länger brauchen wir auch dafür. Anders gesagt: Wenn es die last minute nicht geben würde, würden wir nie fertig werden.

Seit ich Mama bin, nutze ich meine Zeit effektiver und effizienter als zu der Zeit, in der ich einfach noch mehr davon hatte. Dasselbe gilt daher auch für deine Me- time: Finde die für sich ideale Form der Entspannung.

In der Natur entspanne ich und tanke Kraft.

Während ich mir dessen zuerst nicht bewusst war und ich mich dann für sonderbar hielt, weiß ich heute, dass ich besonders im Alleinsein abschalten und Kraft tanken kann. Dann konzentriere ich mich nur auf mich, auf das Hier und Jetzt und meine innere Stimme ohne von äußeren Reizen abgelenkt zu werden.

Für mich habe ich herausgefunden, dass ich die Kombination aus Natur und gleichmäßiger Bewegung eine perfekte Methode ist, um abzuschalten. Wie ich in meinem Blogbeitrag „Ich bin dann auch mal weg“ beschrieben habe, habe ich das Pilgern allein für mich entdeckt und bin von der kleinen Reise so entspannt und in mir ruhend wiedergekommen wie schon lange nicht mehr.

Eine weitere Form der Entspannung ist es für mich, mit meinen Händen zu arbeiten. Im Malen, Basteln und Nähen kann ich mich nicht nur kreativ ausleben und mich im Idealfall am Ende über das Ergebnis freuen, sondern auch meine Gedanken schweifen lassen. Handarbeit entspannt mich und baut Stress ab.

Worin kannst du dich verlieren? Wodurch kannst du Kraft tanken und was macht dir Spaß? Vielleicht hast du nun direkt eine Idee im Kopf. Falls nicht, bedarf es manchmal ein bisschen Herumprobieren bis man die für sich beste Form gefunden habe. Ich verspreche dir aber, dass es sich für dich und deine innere Balance lohnen wird, ein bisschen Zeit in die Suche zu investieren.

3. Digital Detox

Kennst du die Situation, wenn du dich immer wieder dabei erwischst wie du dein Smartphone in die Hand nimmst, um nur mal kurz etwas nachzuschauen und dich dann darin verlierst? Wenn du eine Info sofort brauchst und nicht warten kannst, deine Wissbegier zu stillen? Und dir Minuten später erst auffällt, dass du dich immer weiter geklickt hast und mittlerweile bei einem ganz anderen Thema angelangt bist? Oder wie du durch sämtliche Socialmediakanäle scrollst und viel zu viel Zeit in den Leben anderer Menschen verbringst, die eigentlich nichts mit deiner Realität zu tun haben? Dann geht es dir genau wie mir. Ich war an einem Punkt, an dem ich den Rückwärtsgang einlegen musste. Immer wieder habe ich mich dabei erwischt, nicht wirklich bei der Sache zu sein, sondern ständig mein Smartphone in die Hand zu nehme, selbst wenn ich gerade anderweitig beschäftigt war. Nachrichten zu checken oder irgendwas zu googlen. Mein erster Schritt, die Notbremse zu ziehen war, mich radikal aus allen sozialen Netzwerken zu verabschieden. Dabei musst du dein Konto nicht löschen, sondern kannst es eine Zeit lang „einfrieren“. In einem zweiten Schritt habe ich für mich Zeiten eingerichtet, in denen ich mein Handy auf Flugmodus gestellt habe und auch selbst dann konsequent geblieben bin, wenn ich am liebsten eine Information jetzt sofort gecheckt hätte oder eine Antwort einer Freundin erwartet habe. Mein Ziel war dabei, mich bewusst auf eine Sache zu konzentrieren, statt ständig im Multitasking- Modus zu sein.

Was waren meine Erfahrungen mit dem Digital Detox? Mit der Zeit habe ich gemerkt wie ich tatsächlich entspannter und weniger nervös war. Der Reflex, alle paar Minuten auf Handy zu schauen und der Drang danach, eine Mitteilung sofort checken zu müssen, ließ nach. Plötzlich hatte ich wieder Zeit frei, die ich mit anderen Dingen füllen konnte. Mittlerweile kann ich sogar die Zügel wieder lockererlassen ohne sofort ins alte Muster zurückzufallen. Auch ich muss mich immer wieder daran erinnern. Es funktioniert nicht jeden Tag gleich gut. Doch das Bewusstsein dafür ist da und hilft mir bei meinem Leben in Achtsamkeit.

4. Genug Zeit einplanen.

Aufstehen. Sport treiben. Frühstücken, Duschen. Kaffee und Kuchen mit einer Freundin. In den Aldi reinspringen und einkaufen. Zurück nach Hause. Kurz umziehen. Weiter zur Abendverabredung. Nach Mitternacht zurückkommen und schlafen gehen.

So oder so ähnlich hätte ein Samstag in meinem Leben vor meinem Kind ausgesehen.  Viel unterwegs sein, wenig Leerlauf. Seitdem ich Mutter bin, musste ich lernen, umzudenken. Ich erinnere mich an einen Samstag, den ich genauso gestartet habe. Nachmittags habe ich mich mit meinem zu der Zeit einjährigen Sohn und einer (kinderlosen) Freundin im Café getroffen. Während wir uns in Ruhe unterhalten und dabei unseren Kuchen genießen wollte, hatte mein Sohn andere Pläne: den Kinderstuhl als Klettergerüst austesten, Zuckerdose und Blumenvase vom Tisch reißen, den Kellnerinnen mit den großen Tabletts zwischen die Beine rennen und die Theke mal von der anderen Seite kennenlernen. Unser mitgebrachtes Spielzeug und das aus der Spieleecke war uninteressant. Er ließ sich nicht zur Ruhe bringen, war wie unter Strom und protestierte bei jeder Begrenzung lautstark. Nach zwei Stunden war ich so gestresst, dass mir nichts anderes übrigblieb als den Papa anzurufen und ihn zu bitten, den kleinen Krawallbruder abzuholen. Danach noch schnell einkaufen und zurück nach Hause. Kurz was essen, kostümieren und weiter zu einer Karnevalsveranstaltung in der Arena, für die ich schon seit einem Jahre Karten hatte. So die Theorie. Als ich mich jedoch kurz hinsetzte, begann ich meine Erschöpfung der vielen Tagespunkte und der Machtkämpfe im Café zu überrollen. Meine Lust auf das Ausgehen, auf das ich mich seit Wochen so gefreut hatte, war wie weggeblasen und ich war einfach nur müde und erschöpft. Am liebsten hätte ich mich sofort ins Bett gelegt und die Bettdecke bis zur Nasenspitze hochgezogen. Es kostete mich eine Riesenportion Überwindung und gutes Zureden durch den Papa, nochmal das Haus zu verlassen. Hätte nicht an dem Abend eine Pokerrunde mit lauter Männern bei uns zu Hause angestanden, weiß ich nicht, was ich getan hätte. Es wurde ein lustiger Abend und ich war froh, noch losgezogen zu sein.

Mutest du dir manchmal auch zu viel zu? Möchtest du zu viel und jede Rolle zu 100 % erfüllen? Niemanden enttäuschen und allen Erwartungen entsprechen? Ich habe seitdem gelernt, umzudenken und möchte auch dir ein paar Gedankenanstöße geben:

  1. Nicht stur an Plänen festhalten: Wenn das Kind nicht in Caféstimmung ist, oackt eure Sachen zusammen (Kaffee in to go Becher, Kuchen einpacken lassen) und geht auf den nächstgelegenen Spielplatz. Nichts auf Teufel komm raus versuchen, was gerade nicht funktioniert .
  2. Ein Programmpunkt pro Tag und genug Zeit für Leerläufe einplanen, die du aus dem Moment heraus gestalten kannst.
  3. Hilfe zulassen und Aufgaben abgeben: Den Papa anzurufen hat sich für mich wie ein totales Versagen angefühlt. Stattdessensollten wir liebe- und verständnisvoll mit uns umgehen und akzeptieren, dass manche Situationen nicht in unserer Hand liegen.
Manchmal steht die Welt Kopf mit Kind.

5. Freundinnen ohne Kinder.

Kinderlose Freundinnen kennen nicht die vielen schlaflosen Nächte, in denen man Fläschchen zubereitet, tröstet oder das Bett frisch bezieht, weil die Windel nicht standgehalten hat. Kinderlose Freundinnen kennen nicht das Gefühl der bedingungslosen Liebe für einen Menschen, für den man alles – und wirklich alles – tun würde. Kinderlose Freundinnen kennen nicht den Trennungsschmerz, wenn man das Haus verlässt und das herzzerreißende Schreien seines Kindes nach der Mama durch den ganzen Hausflur hören kann. Kinderlose Freundinnen kennen auch nicht den inneren Druck, seinem Kind immer die beste Mama der Welt sein zu wollen.

Und genau das ist es, warum es so wichtig ist, deine Zeit mit ihnen zu verbringen. Kinderlose Freundinnen sind quasi der Draht nach außen. Sie sind wie das Durchblättern eines alten Erinnerungsalbums und dein Weckruf, auch an Dingen festzuhalten, die nichts mit dem Muttersein zu tun haben. In meinem Freundeskreis bin ich einer der ersten Frauen, die schwanger geworden sind und ein Kind auf die Welt gebracht haben, weswegen ich noch einige kinderlose Freundinnen habe. Während ich ihnen von dem Laufen und Sprechen lernen meines Sohnes erzähle und wir gemeinsam über die Taten des kleinen Wirbelwinds lachen, schwelge ich mit ihnen in den Urlaubserinnerungen ihrer letzten Fernreise oder überlege mit ihnen wie sie mit den Reibereien auf der Arbeit umgehen können. Diese Treffen sind für mich wie eine Auszeit vom Mutterdasein und eine Inspiration für meine kleinen kinderfreien Inseln.

6. Erwachsenendinge tun.

Mittlerweile habe ich mich an das Spielzeug in unserem vorher so aufgeräumten Wohnzimmer, an das Teilen meiner Portion auf dem Teller und an den lautstarken Protest beim Schließen der Badezimmertür, wenn ich zur Abwechslung mal allein auf Toilette zu gehen versuche, gewöhnt. Umso mehr genieße ich es, Erwachsendinge zu tun. Einen Abend mit meinen Freundinnen auszugehen, mich vorher zurecht zu machen, mit ihnen gemütlich Weinchen zu trinken, mich voll und ganz auf sie und unsere Gespräche zu konzentrieren. Dabei mal nicht an morgen zu denken, lässt mich abschalten. Am nächsten Tag habe ich zwar einen Kater und bin auch noch an den darauffolgenden Morgen todmüde, doch genau das sind die Momente, an die ich immer wieder gerne zurückdenke und in denen, ich mich so lebendig und beflügelt fühle.

Auch ist es wichtig, die Großeltern, Freunde oder einen Babysitter mit in Boot zu holen und einen Abend (und eine Nacht?) als Paar zu verbringen. Auszeiten zu zweit sind fast genauso wichtig wie die Familienzeit. Eure Beziehung hat sich geändert, denn ihr seid nun zu Eltern geworden, deren individuelle Bedürfnisse meist hinter denen des Kindes oder der Kinder stehen. Euer Alltag ist turbulent und ihr bewegt euch wohlmöglich auf dünnerem Eis, sodass ihr öfters als vorher aneinandergeratet. Umso wichtiger ist es nun, sich nicht nur als Eltern, sondern auch noch einmal als Paar zu fühlen, indem ihr Zeit zu zweit verbringt und gemeinsame Erlebnisse teilt. Dabei entscheidet ihr, was euch guttut. Essengehen und Kino, ein feucht- fröhlicher Abend mit Freunden oder einfach zusammen ausschlafen und gemütlich frühstücken. Hier sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt.

Das waren meine Tipps aus den Erfahrungen, die ich in 1,5 Jahren als Mama gesammelt habe. Was sind eure besten Tricks, um neben dem Mama sein, ihr Selbst zu bleiben?

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