Dürfen Jungs rosa tragen?

Warum tragen Jungen blau und Mädchen rosa? Sind die beiden Farben eigentlich Geschlechterklischee oder evolutionär bedingt? Lieben Mädchen von Natur aus Pink und Glitzer? Und warum erntet man verwunderte Blicke, wenn der eigene Sohn an einer rosa Trinkflasche nuckelt?  Ich habe mich auf die Suche nach Antworten gemacht und bin dabei auf interessante Fakten gestoßen. 

Mädchen lieben pink, Jungs blau. Oder nicht?

Blau für Jungen, rosa für Mädchen – so sehen es die Geschlechterklischees vor. Während in der Jungen- Kleiderabteilung die Farben blau, grau und grün vorherrschen, dominieren bei den Mädchen rosa, pink und lila. Gleichzeitig habe ich den Eindruck, dass fast jedes Mädchen in ihrer Entwicklung die Ich liebe alles, was pink ist und glitzert– Phase durchläuft. Jungs, die hingegen rosa mögen, werden von den Gleichaltrigen häufig ausgelacht oder verspottet. 

Das war nicht immer so! 

Gottesmutter Maria in Blau mit Jesuskind in Rosa (Ausschnitt). Duccio di Buoninsegna: Maestà. 1308, Dommuseum Siena. Quelle: http://www.evangelischer-kirchenbote.de/artikel/detailansicht/news/echte-jungs-tragen-rosa/

Noch in den 40er- Jahre war es genau andersherum: In vielen Kulturen galt die Signalfarbe Rot als Zeichen purer Männlichkeit. Mädchen dagegen wurden in himmelblau gekleidet. Der Farbton Rosa, das so genannte „kleine Rot“, erinnerte an die blutigen Flecken auf den Hemden der heimkehrenden Kriegssoldaten. Es stand für Mut, Kampfgeist und Stärke. Rosa war eine absolute Jungenfarbe. Blau hingegen galt als Farbe der Jungfrau Maria und wurde daher den Mädchen angezogen. 

Es gibt verschiedene Theorie, warum es zu einem Wechsel kam. Möglicherweise vermännlichte die blaue Arbeitskleidung der Matrosen und Handwerker die Farbe Blau. Eine weitere Theorie geht davon aus, dass es zwischen der Farbe Rosa und dem Nationalsozialismus eine Verbindung gibt. In dieser Zeit mussten Häftlinge auf dem Ärmel einen rosa Winkel tragen, wenn sie aufgrund des Verdachtes ihrer Homosexualität verschleppt wurden.

Gleichzeitig sorgte der wirtschaftliche Aufschwung dafür, dass es den Familien finanziell besser ging und ihre Kaufkraft für Spielzeug stieg. Mehr und mehr wurde aus dem Gender Marketing ein eigener Wirtschaftsbereich. Denn: Spielzeug in zweifacher Ausführung – blau für Jungen, rosa für Mädchen – anzubieten, war profitabler. 

Auch kam die erste Barbie- Puppe 1955 auf den Spielzeugmarkt. Verpackt war sie in einer quietsch- pinkfarbenen  Verpackung. Die Farbe Pink wurde zur Lieblingsfarbe vieler Mädchen. 

Helfen uns Farben dabei, Geschlechter zu erkennen?

Klar ist, dass die Farben Blau und Rosa schon viele Jahre als Kennzeichen für die Geschlechter eingesetzt werden. Aber auch das scheint nicht immer so gewesen zu sein. Vor dem 20. Jahrhundert war farbige Kleidung bei Kindern nämlich gar nicht so verbreitet. Stattdessen kleidete man sie eher in weißen oder leinenfärbenden Kleidchen, die sich bei hohen Temperaturen waschen ließen ohne die Farben zu verblassen.

Unisex ist cool!

Ich persönlich nehme einen Trend wahr, Kinder zunehmend unisex zu kleiden. Dabei fällt mir auf, dass es super cool ist, wenn Mädchen die typischen Jungsfarben wie grau, blau und grün tragen. Selten sehe ich aber Jungs in lila, rosa oder pink gekleidet. Ich bin sogar fast sicher, dass diese Farben so gut wie gar nicht in den meisten Kleidungsabteilungen für Jungen zu finden sind. 

Für den Papa ist die rosafarbene Trinkflasche mit den Einhörnern eine echte Herausforderung.

Ich versuche mit dem Thema entspannt umzugehen. Als ich beispielsweise in der Babyabteilung bei dm stand und einen Zauberbecher kaufen wollte, den es nur in ödem grau und  auch rosa gab, habe ich für meinen Sohn einfach zu Rosa gegriffen. Ich fing an, darüber nachzudenken, wieso diese Farbe für Jungs Tabu zu sein scheint. Als er dann einige Wochen später unbedingt eine rosafarbene Trinkflasche mit Einhörnern haben wollte – definitiv ein Mädchenprodukt – habe ich sie ihm einfach gekauft. Tatsächlich werden wir in Zusammenhang mit den Trinkflaschen öfters gefragt, ob unser Kind ein Junge oder ein Mädchen sei. Viele scheint die rosa Flasche zu verunsichern.  Während der Papa bei jedem weiteren rosa oder lila Nucki- Kauf die Hände über dem Kopf zusammenschlägt, kann ich über die Irritationen der anderen schmunzeln. 

Ist es nicht endlich an der Zeit, uns vom Gender- Farben- Denken loszusagen? Sind nicht alle Farben für alle da? Ich finde, ja!

Wie stehst du zu dem Thema? Ich wünsche dir eine gute Zeit! Liebe Grüße, deine Lilly

HInweis:

Grundlage meiner Recherche sind die folgenden Quellen:

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