Wochenbett – deine ersten Wochen nach der Geburt

Eine kostenlose Checkliste zum Download findest du unten im Beitrag.

Wenn du nicht mehr weißt, welcher Wochentag ist, die Zeit an dir vorbeirauscht und du dich abends trotzdem fragst, was du den ganzen Tag eigentlich gemacht hast; wenn du beim Anblick des kleinen neuen Wesens im Arm dein Glück kaum fassen kannst und du schon im nächsten Moment wegen einer Kleinigkeit den Tränen nahe bist – dann bist du mittendrin im Wochenbett.

Neben einer unbeschreiblichen Freude über die Ankunft des kleinen Bündel Glücks, so gehören auch Erschöpfung, Müdigkeit, Überforderung, Zweifel und eine Achterbahn der Gefühle in der besonderen Zeit nach der Geburt dazu.

Du bist gerade schwanger, stehst kurz vor der Entbindung oder hälst bereits dein Säugling in den Armen? Dann habe ich hier für dich Informationen, Tipps und Erfahrungen aus meinen eigenen beiden Wochenbetten gesammelt.

„Faustregel: Zwei Wochen im Bett, zwei Wochen am Bett, zwei Wochen ums Bett.“

Das Wochenbett teilt sich in das Früh- und das Spätwochenbett. Das Frühwochenbett beginnt nach der Geburt und umfasst die ersten vierzehn Tage nach der Entbindung. Das Spätwochenbett schließt daran an und dauert zwischen sechs und acht Wochen an.

Gönn’ dir Ruhe und liege so viel wie es geht:

Nach der Schwangerschaft und der Geburt ist eine Ruhephase sehr wichtig, damit sich dein Körper regenerieren und sich der Hormonhaushalt langsam wieder einpendeln kann. Eventuelle Geburtsverletzungen brauchen Pflege und heilen liegend am besten. Dein Körper hat in den letzten Monaten Unfassbares geleistet und benötigt nun Raum und Zeit, um Organe, Muskeln und Faszien wieder an Ort und Stelle zu bringen. 

Daher ist es sinnvoll, die ersten sieben Tage das Bett nur für Toilettengänge und zum Duschen zu verlassen und die restliche Zeit im Bett zu bleiben. Das Zubereiten der Mahlzeiten und Haushaltaufgaben übernimmt in dieser Zeit dein Partner/deine Partnerin. Geschwisterkinder dürfen auch mal stundenweise die volle Aufmerksamkeit von Großeltern und anderen Vertrauten genießen. Wenn dir nach einem Tagesschläfchen ist, gebe diesem Bedürfnis nach. Nutze die Zeit, um mit deinem Neugeboren viel zu kuscheln und euch kennenzulernen. 

Erst am achten Tag nach der Geburt habe ich meinen ersten Spaziergang über 10 Minuten gewagt. Anschließend habe ich mich jeden Tag um fünf Minuten gesteigert. 

Das Stillen

Wenn du dein Baby stillen möchtest, mögen dir diese Tipps und Erfahrungen helfen:

Still- BH`s:

Vor allem für den Milcheinschuss, der dich nach etwa drei bis vier Tagen erwartet und bei dem aus dem s.g. Kollostrum (die Vormilch) richtige Muttermilch wird, macht es Sinn, Still-Bh`s in verschiedenen Größen zu haben. In dieser Zeit können deine Brüste sehr hart und prall werden und nehmen (teilweise enorm) an Größe zu. Sie können auch etwas weh tun. In der Regel pendelt es sich nach einigen Tagen wieder ein. Ich habe in dieser Zeit die weiten Oberteile meines Mannes getragen.

Milchstau:

Einen Milchstau bemerkst du an einer oder mehreren verhärteten Stellen in der Brust. Oft ist die Haut an dieser Stelle rot verfärbt und tut weh. Die betroffene Brust fühlt sich verhärtet an. Wenn Fieber und Schüttelfrost da zukommen und du dich körperlich nicht wohl fühlst, solltest du deine Hebamme, einen Gynäkologen oder eine Stillberatung kontaktieren, da ein Milchstau die Vorstufe einer Brustentzündung ist. 

Mit Quarkwickel (Quark mit 40%igem Fettanteil kühlt am besten) oder Kühlpacks solltest die betroffene Brust so oft wie möglich kühlen. Kurz vor dem Stillen kannst du dir eine Wärmflasche auflegen, damit die Milch beim Stillen besser fließt. Bei mir war ein Anlegen des Babys an dieser Brust kaum möglich, da diese so hart war, dass meine Tochter nicht daran trinken konnte. In dieser Situation hat es mir sehr geholfen, die Brust mit einer elektrischen Milchpumpe abzupumpen. Diese habe ich auf Rezept von meinem Gynäkologen verschrieben bekommen und konnte sie mir in der Apotheke leihen. Du kannst auch eine Handmilchpumpe verwenden.

Damit die Milch besser fließt und es zu keinem Milchstau kommt, hat mir meine Hebamme  Lecithin- Pulver empfohlen, von dem ich täglich zwei Löffel in mein Müsli gegeben habe. Danach hatte ich keine Schwierigkeiten mehr.

Entzündete Brustwarzen:

Hast du auch mit durch das Stillen bedingten entzündete Brustwarzen zu kämpfen? Bei beiden Kindern habe ich anfangs darunter gelitten, obwohl ich Stillhütchen verwendet habe. Das Stillen wurde in dieser Zeit zu einer echten Tortur. Ich habe verschiedene Cremès ausprobiert, doch keine hat geholfen. Von einer Freundin habe ich dann s.g. Zinnhütchen empfohlen bekommen. Mit  22,50€ für ein Zinnhütchen und 37,50€ für ein Paar sind sie nicht ganz günstig, doch die Hütchen sind ein wahrer Geheimtipp. Schon nach kurzer Zeit des Tragens spürst du eine deutliche Linderung und nach wenigen Tagen ist das Problem in den Griff zu bekommen. Übrigens habe ich mir nur ein einzelnes bestellt und es zwischen beiden Brüsten gewechselt.

Muttermilch:

Falls du zu den (glücklichen) Frauen gehörst, die mehr Milch produzieren als dein Baby benötigt, hilft das Trinken einer großen Tasse Salbeitee pro Tag. Salbei wirkt milchhemmend.

Stillapp:

Um einen Überblick über das Stillverhaltens deines Babys zu bekommen, empfehle ich dir das Tracking in einer App. Hier kannst du festhalten, wie häufig, wie lange und an welcher Brust dein Kind getrunken hat. Gerade in den ersten Tagen ist ein häufiges Anlegen auch wichtig, um die Milchproduktion in Gang zu bringen. Ich habe mit App „Baby+“ gute Erfahrungen gemacht (Ios: Klicke hier; Android: Klicke hier).

Nützliche Helferlein:

  • Stillkissen: Ich habe mir dieses Stillkissen mit einer Baumwoll-Füllung vor der Geburt meines Sohnes gekauft und benutze es bei meiner Tochter gerne weiter. Mittlerweile gibt es das Kissen auch in 14 anderen modernen Designs. Daneben gibt es auch Stillkissen mit anderen Füllungen wie beispielsweise aus Mikroperlen. Welche Vor- und Nachteile die verschiedenen Füllungen haben kannst du hier nachlesen.
  • Spucktücher: Sie sind ein praktischer Helferlein beim Stillen (und Fläschchen geben), der deine Kleidung und die deines Babys vor lästigen Muttermilchflecken schützt. Du kannst sie mittlerweile in allen möglichen Designs erwerben wie beispielsweise diese. 
  • Stilleinlagen: Für austretende Muttermilch empfehle ich dir die Anschaffung von Stilleinlagen. Es gibt sie als Wegwerfprodukt oder in wiederverwendbarer Ausführung. 
  • Elektrische Milchpumpe/ Handmilchpumpe: Wenn du voll stillen möchtest, jedoch auch mal ohne dein Baby das Haus verlassen musst/möchtest, kannst du Muttermilch abpumpen. Diese kann dann mit einer Flasche verfüttert werden. Tipps zur Aufbewahrung der Muttermilch findest du hier. Von meine Hebamme habe ich den Tipp bekommen, nur nach dem Stillen abzupumpen (und das nur an der Brust, an der von deinem Kind getrunken wurde), um die Muttermilchproduktion nicht durcheinander zu bringen. Nach dem Abpumpen kannst du die Muttermilch zur Kühlung oder zum Einfrieren in Muttermilchbehälter umfüllen und mit Datum und Uhrzeit versehen. Um dein Baby an das Fläschchen zu gewöhnen, eignet sich übrigens die vierte Lebenswoche. Regelmäßiges Üben hilft ihm beim Annehmen der Flaschennahrung. 
  • Stillhütchen: Wenn das Stillen nicht wie gewünscht klappt, kann die Ursache in der Anatomie der Brust liegen: Flach- oder auch Hohlwarzen können von Babys schwer erfasst werden. Vor allem Säuglinge haben manchmal Probleme damit, die Brust richtig zu fassen oder lange und kräftig genug an der Brust zu saugen. In diesen Fällen sind Stillhütchen eine gute Alternative, denn sie gleichen diese Brustwarzenformen aus, sodass das Stillen trotzdem gelingt. Nachzwei bzw. drei Monaten konnten meine Kinder ohne Stillhütchen an der Brust trinken.
  • Gallseife: Um lästige Muttermilchflecken oder Ausscheidungsrückstände auf der Babykleidung zu entfernen, nehme ich am liebsten Gallseife. Wenn du die Kleidung vor der Wäsche in der Maschine behandelst, bekommst du die Flecken schnell und problemlos beseitigt.
  • Ausreichend und regelmäßig trinken: Stillen macht durstig. Zu jeder Stillmahlzeit empfehle ich dir daher, ein Glas Wasser zu trinken. Du kannst dir beispielsweise alle Stillecken zu Hause mit einer Flasche Wasser ausstatten, damit du sie beim Stillen direkt zur Hand hast. 
  • Wochenfluss: Für den Wochenfluss, der zwischen zwei bis sechs Wochen anhalten kann, empfehle ich dir Pelzy Protect Vlieseinlagen. Wenn du im Krankenhaus entbindest, wirst du dort damit versorgt werden.
  • Wöchnerinnen- Slips: Wöchnerinnen- Slips  eignen sich für die Zeit nach der Entbindung, denn sie lassen Wunden atmen, fixieren Wochenbett-Einlagen und tragen zu einer unkomplizierten Hygiene bei. Sie sind furchtbar unsexy, aber in dieser Zeit sehr hilfreich. 😉

Geburtsverletzungen

Zur Pflege deiner Geburtsverletzungen empfehle ich dir Beinwellsalbe. Oft bewirken wenige Anwendungen eine enorme Besserung der Wunde und ist ein echter Geheimtipp.

Rückbildung

Shapewear:

Shapewear oder figurformende Unterwäsche kann deinen Körper bei der Rückbildung unterstützen und Wassereinlagerungen im Körper positiv entgegensteuern. Auf Empfehlung meiner Hebamme habe ich mir nach der Geburt dieses Exemplar zugelegt, was nicht nur sehr bequem ist, sondern auch sehr zu meinem Wohlbefinden im After-Baby-Body beigetragen hat. Wenn du dich genauer über das Thema informieren möchtest, schau einmal hier vorbei.

Yoga:

Schweißtreibender Sport ist nach der Entbindung erst einmal Tabu. Wenn du aber auch zu den Frauen gehört, die gerne ein (halbes) Stündchen für sich haben, dann empfehle ich dir nach dem frühen Wochenbett (natürlich nur, wenn du dich gut fühlst und deine Hebamme ihr ok gibt) mit Yoga oder leichtem Stretching zu starten. Mit den folgenden Videos auf YouTube bin ich in meiner Morgenroutine nach der Geburt gestartet:

Selbstfürsorge:

Neben der körperlichen Schonung ist es genauso wichtig, dich im Wochenbett auch emotional auszuruhen. Die Geburt gehört vermutlich zu den aufregendsten und emotionalsten Momenten deines Mamalebens und bedarf erst einmal verarbeitet zu werden. Dazu hilft es mit deinem Partner/deiner Partnerin oder einem/einer engen Vertrauten über das Erlebte zu sprechen. Das Erlebnis aufzuschreiben und die Musik immer und immer wieder zu hören, die bei der Geburt im Hintergrund spielte, hat mir gut getan. Tränen freien Lauf zu lassen, wenn dir danach ist oder auszusprechen, wenn du dich (emotional) überfordert fühlst, ist außerdem wichtig. 

Hast du noch gute Tipps für das Wochenbett? Ich freue mich über dein Feedback. Liebe Grüße, Deine Lilly

Meine kostenlose Checkliste zum Herunterladen:

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